http://www.anolis.de/beratung/allgemei/terrarienbau01.htm
Terrarienbau:

In diesem Bericht möchte ich den Bau meines Terris etwas beschreiben. Vielleicht findet der ein oder andere Tipps für sein eigenes im Bau befindliches Becken.

Zunächst meine Ansprüche : Möglichst groß sollte es sein, gestaltete Felswände und viele Kletteräste sollten hinein, ein Wasserfall mit sich unten anschließendem Wasserbecken sollte vorhanden sein sowie üppige Bepflanzung. Und last but not least musste es pflegeleicht sein. Daneben sollte die benötigte Technik soweit wie möglich im Verborgenen bleiben.
Ich begann mit stundenlangem Studium von Internetseiten über Baubeschreibungen anderer Terrarianer. Aus diesen Berichten suchte ich mir das für mich Sinnvollste heraus und begann meine Planung.
Der Standort des Beckens gab mir die Größe vor. Die Maße sollten 600mm x 600mm x 1100mm (BxTxH) sein. Über dem Becken schließt sich ein Raum von 300mm Höhe an, der die Beleuchtung sowie die Heizung aufnehmen sollte, zum Becken nur durch die Drahtgaze getrennt. Unter dem Becken schließt sich ein Raum von ebenfalls 300mm Höhe an, der die ganzen Zeitschaltuhren, den Thermostaten und das Wasserbecken mit der Pumpe aufnehmen sollte. Der Rest dieses Raumes wird für die „Utensilien“ der Pflege benutzt. Zudem steht das Terri auf Rollen, um es für Wartungsarbeiten oder ähnliches aus der Ecke schieben zu können.
Summa summarum ergab sich daraus ein Gestell von 1.960mm Höhe und 660mm im Quadrat. Dieses Gestell habe ich aus Kostengründen nicht aus Alu-Profilen, wie sie bei www.aluterra.de und www.3d-plastic.de angeboten werden, sondern aus 30mm Stahlvierkantrohr mit 2mm Wandstärke geschweißt. Für die drei nötigen Böden habe ich aus Flachstahl kleine Ecken in die entsprechenden Rahmen eingeschweißt, auf denen diese dann zu liegen kommen. Die Rollen hatte ich noch „herumliegen“.

Nachdem das Gestell geschweißt und mit Hammerite Hammerschlag Silbergrau gestrichen war, wurden die zwei Rückwände, die nachher an der Wand sein würden, eingesetzt. Dafür verwendete ich einfache 13mm Spanplatten, die ich auf der Innenseite mit einer Grundierung und auf der Außenseite mit schwarzer Farbe versehen habe. Als Farben habe ich Acrylfarben auf Wasserbasis verwendet. Zum Einen weil Acrylfarben das Material nahezu Wasserresistent machen und zum Anderen weil es kaum eine Geruchsbelästigung gibt.
Als Beckenboden habe ich eine 18mm starke Multiplexplatte gewählt und ebenfalls schwarz gestrichen. Multiplex deshalb, weil dieses Holz von vornherein so gut wie wasserresistent ist, zudem sehr stabil und leicht zu bearbeiten. Vor dem Einsetzen habe ich ein Loch von etwa 280mm Durchmesser an die Stelle des Bodens gesägt, wo nachher die zentrale Pflanze hineingesetzt werden sollte. Das Loch deshalb, damit ich den Pflanzentopf in den Boden absenken konnte, was der Gestaltung der Inneneinrichtung sehr entgegen kommt. Ich musste nämlich den Topf nicht, wie andere es beschrieben hatten, verkleiden, sondern konnte einfach durch das Absenken den Bodengrund bis zum Topfrand hoch auffüllen, wodurch dieser überhaupt nicht mehr zu sehen ist. Unten habe ich den Topf einfach auf das runde ausgesägte Stück gestellt, das mit einer entsprechend langen Stütze auf den untersten Boden geschraubt ist.
Auf die Rückwände habe ich dann mit Styroporkleber aus dem Baumarkt Styroporplatten geklebt (dafür ist die Grundierung notwendig, sonst hält es nämlich nicht). Auf diese wiederum habe ich die Orte für die Blumentöpfe und den Wasserfall eingezeichnet, anschließend die Töpfe auf die Wand aufgebracht ( Silikon ) und mit Styroporstücken verkleidet. An der Stelle des Wasserfalls habe ich in die Mitte die Rille für den Wasserschlauch mit Nitroverdünnung geätzt. Den nötigen Wasserschlauch habe ich dann in die Rille geklebt ( Silikon ) und am Boden nach dem Bohren eines entsprechenden Loches durch dasselbe in den unter dem Becken befindlichen Raum geführt. Jetzt kam die Heißluftpistole zum Einsatz, mit der ich die Wände dann nach meinen Wünschen geformt habe. Als Nebeneffekt wird durch die Bearbeitung mit der Heißluftpistole die Styroporoberfläche sehr rau, was für die weitere Gestaltung sehr gut ist.

Nun habe ich die Doppel-U Schienen für die Glastüren in die dafür vorgesehenen zwei Rahmen geklebt. Das musste deshalb schon jetzt sein, weil ich die „Felsgestaltung“ der anderen Seiten bis an die Schienen heran modellieren wollte. Übrigens habe ich auch seitlich Schienen angebracht, damit das Terri dicht ist.
Für die Belüftung des Beckens verwendete ich 50mm breite Lochblechstreifen, die ich mittels Silikon (was sonst) und kleinen Kunststoffwinkelleisten in die dafür vorgesehenen Öffnungen eingesetzt habe.
Als nächstes habe ich das Wasserbecken unten ( eine Tupperdose ) eingesetzt. Durch den Boden derselben und den Terriboden habe ich dann ein Loch gebohrt und mit Muffen und Verschraubungen aus dem Sanitärbereich einen Durchfluß eingeschraubt, durch den das Wasser dann in das untere Becken mit der Pumpe gelangt. Nach oben muss man einen Rand lassen, damit auch ein wenig Wasser im Becken stehen bleibt. Dies habe ich erreicht, indem ich eine Überwurfmutter aufgeklebt habe, die am Ende nicht mehr zu sehen ist. Die Tupperdose habe ich dann auch mit Styroporstücken verkleidet.

Jetzt begann die echte Sauerei. Die Rückwände und das Wasserbecken wurden nun mit Fliesenkleber bestrichen. Ich benutzte den billigsten Fliesenkleber aus dem Baumarkt zum Anrühren ( Hellweg 25 kg für 4,50 € ). Diesen lässt man dann etwa einen bis zwei Tage trocknen. Nach der Trocknung kann man den hässlich grauen Fliesenkleber dann mit Acrylfarben nach Herzenslust streichen. Ich persönlich habe alles mit einem Mittelgrau, Ocker, Grün und Braun Felsenartig gestaltet.
Dort, wo am Ende ständig Wasser laufen sollte, also der Wasserfall und das Wasserbecken nebst Rand, habe ich noch zur absoluten Wasserresistenz Epoxydharz aufgebracht. Vorher habe ich noch für natürlicheres Aussehen in die Tupperdose Kiesel und ein wenig Kies gefüllt. Das Harz habe ich ebenfalls aus dem Baumarkt ( KfZ-Bereich ). Es ist von der Firma Presto. Ich habe also die entsprechenden Stellen mit dem Harz gestrichen und am Schluss das Wasserbecken mit dem Kies soweit mit Harz aufgefüllt, bis es eine glatte Oberfläche hatte. Dies hat den Vorteil, dass man eine glatte Fläche hat und das Becken zur Säuberung einfach nur auswischen muss.
Damit weder Terri-Tiere noch Futtertiere verschwinden können, habe ich ein wenig Drahtgaze genommen, zurecht geschnitten und mit Harz über die obere Schlauchöffnung und den Abfluss im Becken unten geklebt.

Als nächstes habe ich ein weiteres Loch in den Boden gebohrt, durch welches die Bodenheizung in Form eines Heizkabels Eingang in das Terri fand. Auf ein abgegrenztes Stück des Terri-Bodens goss ich eine dünne Schicht Gips. Nach der Trocknung klebte ich dort in Schlingenform das Heizkabel auf. Darauf kam dann noch eine Schicht Gips. Durch diese Konstruktion erreicht man eine schöne gleichmäßige Wärmeverteilung und keines der Tiere kann in irgendeiner Form an das Heizkabel gelangen. Falls das Heizkabel mal defekt sein sollte, kann man einfach den ganzen Gipsblock aus dem Terri nehmen und ein neues einbringen.
Als letztes Loch musste nun noch das für den Thermostatfühler gebohrt werden. Als Thermostat verwendete ich den Thermotimer. Die Kabellänge des Fühlers reichte bei mir nicht aus. Ich habe einfach ein passendes Stück zweiadrigen Klingeldraht eingelötet, da das Fühlerkabel auch nur ein einfaches zweiadriges Kabel ist.

Nun stand es an, die Drahtgaze zur Trennung des Terri zum Lampen- und Heizungsraum anzubringen. Dies bewerkstelligte ich, indem ich die Gaze mit Silikon aufklebte und darauf eine schmale Kunststoffleiste, damit ich die Gaze andrücken konnte. Die Glastüren habe ich aus 4mm Fensterglas auf Maß zuschneiden lassen und eingesetzt.
Es war nun an der Zeit, die Seitenwände am oberen Raum und zwei am unteren Raum einzupassen. Es fanden wieder 13mm Spanplatten Verwendung, die Gestrichen wurden. Für den Zugang unten wurden an zwei Seiten die Doppel-U Schienen aufgeklebt und dann Schiebetüren aus 4mm Sperrholz eingesetzt. Den Zugang zu dem Raum oben habe ich über den „Deckel“, der Hochklappbar angebracht ist.

An drei Seitenwänden habe ich je eine 15W Leuchtstoffröhre mit UVA und UVB-Anteil nebst Betriebseinheit installiert, an der vierten Wand befinden sich zwei 75W Infrarot-Heizlampen, um auch abends nach „Sonnenuntergang“ beobachten zu können. An der Decke befinden sich noch zwei 60W Osram Punktstrahler mit 30° Abstrahlwinkel und ein 150W-Keramik-Heizstrahler, der über den Thermotimer gesteuert wird. Die Leuchtstoffröhren, die Spots und die Rotlichtlampen werden jeweils einzeln über Zeitschaltuhren gesteuert, um einen „Sonnenauf- und Sonnenuntergang“ zu simulieren. Die erforderlichen Kabel von oben habe ich per Kabelkanal schön verlegt und nach unten geführt.

Im unteren Raum wurden 8 Feuchtraum-Aufputzsteckdosen installiert, die die Schaltuhren und den Thermotimer aufnehmen. Daneben befindet sich dort auch noch eine 10 Liter Curver-Schüssel ( Baumarkt ), in der die Pumpe steht für den Wasserfall. Die Pumpe (am besten eine Regelbare ) liegt im Wasser und wird mit dem Schlauch verbunden, der in der Rückwand eingearbeitet ist. Über den anderen Schlauch läuft das Wasser wieder aus dem Wasserbecken im Terri in die Schüssel zurück.
Individuell ist natürlich die Glasverkleidung, die ich am oberen Teil angebracht habe. Man kann das Terri auch ganz ohne Verkleidung lassen.

Eigentlich fehlte jetzt nur noch die Einrichtung. Als Bodengrund wählte ich Blumenerde, die ich mit Torf gemischt habe. Dazu ein paar Kurze Bambusrohrstücke und Steine. Kletteräste bestehen aus einer Mangrovenwurzel und ca. 15m Bambusrohr, welches ich in alle möglichen Richtungen angebracht habe. Die Zentrale Pflanze ist ein ca. 1m großer Scindapsus, den ich von seinem Kletterstamm gelöst habe und um die Bambusrohre gelegt habe. Außerdem findet sich am Boden noch eine Sanseverie. An den Wänden befinden sich Ficus pumilio, sowie verschiedene Tillandsien, die ich mit einfachem Heißkleber angebracht habe und durch die mit Freude „geklettert“ wird.

So eingerichtet habe ich eine ständige relative Luftfeuchtigkeit von etwa 60 %. Nachts steigt sie aufgrund des täglichen Sprühen auf etwa 85-90 %. Es herrscht ein Temperaturgefälle von oben nach unten von etwa 32°C bis 24°C tagsüber und 24°C bis 18°C nachts. Die Pflanzen gedeihen ausgezeichnet und wachsen sehr gut.

In diesem Terri pflege ich Phelsuma laticauda laticauda 1,1 , Anolis sagrei 1,2 , Anolis caroliensis 1,2 , Tarentola mauritanica 1,1. Die Tiere fühlen sich absolut wohl und schreiten auch zur Paarung. Es gibt keinerlei Aggressionen und nur wenige Drohgebärden.

Die Tarentolas sind vorwiegend Nachtaktiv, verziehen sich also Tagsüber und „räumen“ Nachts alles weg, was die anderen übrig gelassen haben. Die Anolis sagrei kommen meist nur nach oben, um sich aufzuwärmen und bewohnen dann den etwas tiefer liegenden Teil des Terri. Die Anolis caroliensis und die Phelsumen sind überwiegend in den oberen Gefilden zu finden und vertragen sich prächtig. Durch diese Zusammensetzung haben meine Frau und ich immer „Stimmung“ im Terri und es macht Spaß, die Tiere zu beobachten.
Ich möchte noch erwähnen, daß alle nötigen Materialien bis auf das Vierkantrohr in Baumärkten erhältlich ist. Das Vierkantrohr habe ich aus einer Schlosserei bezogen.
Für die Terrarientechnik kann ich Dani´s Reptipage www.reptishop.de empfehlen. Gute Preise und vor allem schnelle Lieferung. Die Gesamtkosten für mein Terri beliefen sich auf etwa 850 €.

Eventuelle Fragen beantworte ich gerne. Hier meine E-Mail Adresse: Ake_Bono@web.de
Bericht und Fotos: Stefan Arnold

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